Alles digital: Praktische Online-Funktionen in Schweden

Skandinavien ist nicht nur für seine Holzhäuser, Küsten und Seen bekannt, sondern auch für seine weit vorangeschrittene Digitalisierung. Vieles, was in Deutschland noch Zukunftsmusik ist, ist dort bereits selbstverständlich. In Schweden laufen beispielsweise inzwischen viele Geschäftsprozesse und bürokratischen Aktionen längst über eine persönliche Identifikationsnummer, unter der die benötigten Daten stets abrufbereit sind. Im Land der Zimtschnecken wird außerdem kaum noch mit Bargeld gezahlt – man plant sogar, eine digitale Währung einzuführen.

Schweden Digitalisierung
In Schweden ist die Digitalisierung bereits weit fortgeschritten

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Die Personennummer in Schweden

In Schweden läuft sämtliche Kommunikation mit Behörden und Banken über die Personennummer. Über ein extra eingerichtetes E-Mail-Postfach findet der Schriftverkehr mit den Behörden statt. Ist man bei einem neuen Arzt, erhält dieser alle Daten digital über die Personennummer. Und wenn man nach dem Arztbesuch zur Apotheke geht, kann das Personal das Rezept bereits über dieselbe Nummer abrufen. Das schwedische Pendent zum BAföG wird ebenfalls digital beantragt, ohne dass man dafür haufenweise Papiere einreichen muss.

Zahlen ohne Bargeld

Selbst wenn man nicht in Schweden lebt, sondern nur dort zu Besuch ist, bemerkt man die Unterschiede schnell. Zum Beispiel ist es in Schweden an vielen Orten nicht mehr möglich oder üblich, mit Bargeld zu bezahlen: Das gilt für Cafés ebenso wie im Bus. 80 Prozent der Zahlungen werden dort mit der Kreditkarte erledigt. Wenn man gemeinsam etwas essen oder trinken geht, wird die Rechnung im Anschluss mit einer App gerecht auf alle Konten verteilt. Letztes Jahr machte auch die Meldung Schlagzeilen, dass Schweden eine komplett digitale Währung, die E-Krone, einführen könnte. Die Entscheidung darüber soll innerhalb von zwei Jahren gefällt werden, berichtet N-TV und beruft sich dabei auf die Financial Times. Selbst wenn sie eingeführt wird, sollen Münzen und Scheine allerdings nicht unmittelbar abgeschafft werden. Es gäbe zwar noch kein Konzept, doch schließlich existieren bereits andere digitale Währungen wie die Bitcoin. Die Vorteile einer digitalen Währung gegenüber Bargeldzahlungen sind unter anderem weniger Banküberfälle, Schwarzgeldgeschäfte sowie Ersparnisse bei den Verwaltungskosten.

Deutschland will nachziehen

Die Deutschen hinken hinsichtlich der Digitalisierung hinter Schweden hinterher, doch versuchen, allmählich nachzuziehen: Fast alle großen Unternehmen sind inzwischen über das Internet erreichbar, bei kleinen und mittelgroßen Firmen sind es immerhin um die 70 Prozent. Eigene Webauftritte werden immer beliebter. Die Webadressen-Endung .de ist die dritthäufigste Top-Level-Domain der Welt nach den Endungen .com und .cn. Infolgedessen kommen hierzulande auch zahlreiche neue Varianten an Domainendungen in Umlauf – beispielsweise .hotel oder .shop. Denn sinnvolle .de-Domains werden rar.

Während mehr als die Hälfte der Schweden sogar ein digitales Rentenkonto nutzt, wissen viele Deutsche nicht einmal, mit welcher Rente sie im Alter rechnen können. Man möchte sich das schwedische Modell durchaus zum Vorbild nehmen, meint der Politiker Peter Altmaier. Er wünscht sich beispielsweise „die Einführung eines digitalen Bürgerportals“. Doch zuvor müssten alle Anbieter von Pensionsfonds, berufsständische Versorgungswerke und Pensionskassen ihre Daten zur Verfügung stellen. In einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge gab die Hälfte der Befragten bereits an, ein solches System umgehend nutzen zu wollen. Außer in Schweden ist dies bereits auch in Norwegen und Dänemark möglich.