Auswanderer-Guide: Einfuhr des privaten Pkws nach Schweden

Einfuhr Pkw Schweden
Auswandern nach Schweden: Mit oder ohne Auto? (Cecilia Larsson Lantz/Imagebank.sweden.se)

2014 wanderten rund 1.800 Deutsche nach Schweden aus. Im selben Zeitraum kamen circa 1.000 Bundesbürger zurück in die Heimat. Schweden offeriert den Deutschen viele Vorteile, weshalb es für sie attraktiv ist: Berufliche Möglichkeiten, Abenteuer, die Nähe zur Natur. Unabhängig davon, welchen Grund Deutsche zum Auswandern nach Schweden haben: Viele von ihnen Besitzen einen Pkw und müssen entscheiden, ob sie diesen nach Schweden mitnehmen oder vor der Abreise verkaufen.

Die Schweden setzen sich für einen sicheren Verkehr ein

Was haben die Schweden und Deutschen gemeinsam? Sie lieben die Automobilmarke ihrer Heimat. In Deutschland dominiert der VW Golf die Liste der meistverkauften Fahrzeuge, in Schweden ist es der Volvo V70. Platz zwei belegt in beiden Ländern der VW Passat[1]. Trotz der ähnlich erscheinenden Vorlieben beider Nationen gibt es große Unterschiede. In Schweden starben 2014 nur 264 Personen in einem Verkehrsunfall, in Deutschland waren es 3.368 Menschen. Aufgrund der unterschiedlich großen Bevölkerung zählt jedoch nur die Anzahl der Verkehrstoten je 100.000 Einwohner: In Schweden lag sie bei drei Personen, in Deutschland beträgt sie 4,7[2].

Was die Statistik der Anzahl der Verkehrstoten nicht in Betracht zieht, ist die zurückgelegte Distanz der Einwohner. Je mehr Kilometer ein Autofahrer zurücklegt, desto höher ist sein Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Der durchschnittliche Deutsche fährt rund 14.000 Kilometer pro Jahr, der Schwede 1.600 Kilometer mehr. Schweden legen größere Distanzen zurück, weil sie im Vergleich zu den Deutschen nicht in urbanisierten Regionen wohnen. Es gibt wenige große Städte in Schweden. Selbst die Stadtmenschen wohnen eher am Rande, sodass sie viele Kilometer zum Stadtinneren zurücklegen müssen.

Auto nach Schweden einführen oder vorher verkaufen?

Der hohe Sicherheitsstandard in Schweden ist für deutsche Autofahrer ein großes Plus. Das bedeutet aber nicht, dass es sich zwingend lohnt, sein deutsches Fahrzeug mitzunehmen.

Beim Umzug in ein EU-Land, in dem man mehr als sechs Monate leben möchte, muss das Auto im Zielland angemeldet werden. Autofahrer zahlen folglich Gebühren und Steuern in Schweden. Diese müssen laut Transport Styrelsen in der Regel ein Jahr im Voraus bezahlt werden, es sei denn, die Steuern sind größer als 3.600 SEK. In diesem Fall erfolgt die Zahlung in drei Raten. Informationen zur Anmeldung des Fahrzeugs in Schweden gibt es hier.

Die Formalitäten und Kosten, die dadurch entstehen, lohnen sich nicht in jedem Fall. Auswanderer müssen nachrechnen und prüfen, ob der Aufwand gerechtfertigt ist. Wenn das Fahrzeug alt oder defekt ist, lohnt sich die Ummeldung nicht. In diesem Fall sind Auswanderer beraten, den Pkw zu verkaufen. Ein Auto mit Motorschaden verkaufen ist über spezialisierte Händler möglich, sodass ein solches Vorhaben auch kurzfristig vor der Auswanderung erfolgen kann.

Carsharing in Schweden immer beliebter

Mit dem Erlös aus dem Autoverkauf können Auswanderer sich in Schweden ein Fahrzeug kaufen oder sie investieren das Geld in alternative Transportmittel. Das Phänomen Carsharing ist laut der Deutsch-Schwedischen Handelskammer auch im Norden Europas angekommen.

Audi macht es vor: 2014 startete der Automobilhersteller ein Projekt zum Mikrosharing von Fahrzeugen. Gruppen von bis zu fünf Personen können sich ein Fahrzeug teilen und äußern per App ihre Reservierungswünsche. Die App zeigt ihnen an, wo sich das Auto befindet und wie viel Benzin es besitzt. Die Preise betragen je nach Fahrzeugmodell zwischen 160 und 970 Euro. Für rund 1.900 Euro sind Auswanderer ein Jahr lang in Schweden unterwegs. Im Preis inbegriffen sind die Steuern, Versicherung, Reinigung, Service und Reifenwechsel.

In den kommenden Jahren könnte der Trend Carsharing zunehmen. Laut dem CEO von DriveNow Sweden, Fredrik Ellsäter, hat eine Studie des Unternehmens ergeben, dass Bewohner Stockholms Fahrzeuge benötigen, diese aber nicht kaufen möchten. Das Carsharing-Konzept von BMW DriveNow verfolgt ein anderes Modell als der Konkurrent Audi. Kunden zahlen pro Minute. Im Preis ist dafür auch das Benzin sowie Gebühren zum Parken inbegriffen.

Gebrauchtwagen in Schweden erwerben

Wer um den Kauf eines Fahrzeugs nicht herumkommt, der kann einen Gebrauchtwagen in Schweden kaufen. Eine Warnung vorweg: Der schwedische Gebrauchtwagenmarkt ist nicht mit dem in Deutschland vergleichbar. Einer Studie der Universität Duisburg-Essen zufolge (PDF) besitzt die größte Onlinebörse Schwedens nur rund 51.500 Fahrzeuge im Angebot. Dies entspricht 1,2 Prozent des Pkw-Bestands des Landes. In Deutschland beträgt die Relation zwischen dem Pkw-Angebot einer Onlinebörse und dem Pkw-Bestand des Landes 2,3 Prozent. Um den Unterschied besser zu verdeutlichen: Auf der deutschen Börse werden rund 969.000 Fahrzeuge angeboten[3].

Die Studie verdeutlicht, dass die Auswahl an Gebrauchtwagen in Schweden vergleichsweise klein ist. Das muss Auswanderer nicht zwingend abschrecken. Sie sollten wissen, dass schwedische Autos wie der Volvo mit einer langen Laufleistung begeistern. Ein Volvo mit einer Laufleistung von über 200.000 Kilometern kann sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Das Fachmagazin auto motor und sport empfiehlt zum Beispiel den Volvo 940.


  1. Quellen: Kraftfahrt-Bundesamt, BIL Sweden

  2. Quelle: Global status report on road safety

  3. Daten aus dem Jahr 2010

Verfasst am 07. März 2016

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