Bildungssystem in Finnland

Nachdem Finnland 2001 beim Pisa-Test den ersten Platz belegt hat, ist über das finnische Bildungssystem auch ausführlich in Deutschland diskutiert worden. Seit 1921 besteht in Finnland eine allgemeine Lernpflicht. Zwischen 1972 und 1977 wurden Einheitsschulen bzw. Gemeinschaftsschulen mit den Klassenstufen 1 bis 9 eingeführt.
Bildungssystem Finnland
Das Schulsystem in Finnland ist in drei Stufen unterteilt

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Das finnische Schulsystem

Das Schulsystem in Finnland wird in drei Stufen unterteilt:

  • Vorschule (Esikoulu/Förskola)

Jedes Kind in Finnland hat bis zum Alter von drei Jahren einen freiwilligen Anspruch auf einen Kinderkrippenplatz. Bis zum 6. Lebensjahr werden die Kinder in Kindertagestätten betreut. Mit dem 7. Lebensjahr beginnt die Schulpflicht.

  • Gesamtschule (Peruskoulu/Grundskola)

In der Gesamtschule werden die Kinder in den ersten sechs Jahren von Klassenlehrern unterrichtet, die restlichen drei Jahre von Fachlehrern. Schulen können auf Grundlage von verbindlichen Bildungszielen ihre eigenen Lehrpläne erstellen. Bis zur vierten Klasse gibt es keine Noten, ab der fünften Klasse darf benotet werden und ab der siebten Klasse müssen Noten vergeben werden. Jeder Schüler erhält mindestens einmal im Schuljahr einen Bericht über seine Leistungen. Eine bestandene Abschlussprüfung der Gesamtschule ist die Voraussetzung, um die Sekundarstufe II zu besuchen.

  • Sekundarstufe II

Die Sekundarstufe teilt sich in einen allgemeinbildenden Teil und einen berufsbildenden Teil. In der allgemeinbildenden Sekundarstufe II besuchen die Schüler nach einer Aufnahmeprüfung für drei Jahre ein Gymnasium (Lukio/Gymnasium). Über 90 Prozent aller Jugendlichen in Finnland erhalten das Abiturzeugnis (Ylioppilastutkinto). In Deutschland sind es nur rund 43 Prozent. Die Abiturprüfung umfasst die Muttersprache (Finnisch oder Schwedisch), eine Fremdsprache, Mathematik oder ein Fach aus der Geisteswissenschaft oder Naturwissenschaft.

Die berufsbildende Sekundarstufe II erfolgt im Rahmen einer Berufsausbildung oder einer Lehre. Die Jugendlichen können dabei aus sieben verschiedenen Fachrichtungen auswählen:

  • Technik und Verkehr
  • Handel und Verwaltung
  • Naturressourcen
  • Ernährung und Wirtschaft
  • Soziales und Gesundheit
  • Kultur, Freizeit und Sport.

Hochschulen und Universitäten in Finnland

Das finnische Hochschulwesen lässt in zwei Typen unterteilen:

  • Universitäten

An einer Universität können folgenden Abschlüsse erworben werden:

- Bachelor(Kandidaatti/Kandidat)
- Master (Maisteri/Magister)
- Lizenziat (Lisensiaatti/Licentiat)
- Doktor (Tohtori/Doktor)

Es gibt insgesamt 20 Universitäten in Finnland, die im ganzen Land verteilt sind. Davon 10 multidisziplinäre Universitäten, drei Technische Universitäten, drei Wirtschaftsuniversitäten und vier Kunstuniversitäten.

  • Fachhochschulen

Fachhochschulen gibt es erst seit den 1990er Jahren in Finnland. Voraussetzung für ein Studium ist das Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Fachhochschulen sind nicht staatlich, sondern werden von Kommunen oder privaten Institutionen getragen. An den Fachhochschulen wird in folgenden Bereichen unterrichtet:

  • Technik und Verkehr
  • Verwaltung und Handel
  • Sozialwissenschaften
  • Gesundheit
  • Tourismus
  • Ernährungswirtschaft und Hauswirtschaft
  • Ressourcenwirtschaft
  • Geisteswissenschaften