Wintersemester 2008 an der Universität Linköping

Hallo Interessierte! Ich bin Stephanie und möchte Euch kurz von meinem Auslandsaufenthalt über Erasmus in Linköping berichten. Ich möchte erreichen, dass Ihr einen kleinen Einblick darüber bekommt, was mit einem Erasmus-Studium ermöglicht werden kann. Viel Spass beim Lesen!

Erfahrungsbericht Uni Linköping
Der Campus der Universität Linköping

Linköping

Linköping ist die fünftgrößte Stadt Schwedens, für deutsche Verhältnisse aber eine typische Kleinstadt mit 145.000 Einwohnern. Es gibt jedoch auch einiges, dass Linköping eindeutig einer Kleinstadt voraus hat: da wäre zunächst einmal der Dom zu nennen. Als zweites, was Linköping besonders macht, wäre da wohl Saab zu nennen. Saab produziert seit 1937 in Linköping Flugzeuge, was dazu führt, dass Linköping einen eigenen Flugplatz hat und dass sich ein Luftwaffenmuseum nahe der Stadt findet.

Mir als Berliner ist sofort die Sauberkeit in Linköping ins Auge gefallen und die vielen Fahrradwege. Außerdem gibt es noch Cloetta, ein Schokoladenhersteller, der Linköping ein Eishockeystadium ermöglicht hat. Linköping hat eine sehr gute Eishockeymannschaft und spielt oben in der schwedischen Liga mit. Du kannst für die Spiele preiswerte Karten im Karållen kaufen.

Die Universität Linköping

Die Universität in Linköping ist sehr modern ausgestattet. Es gibt drei verschiedene Campus. Zwei in Linköping und einen in Norrköping ca. 40 km entfernt. Auf dem Campus Valla kannst du  Vorlesungsgebäude, Mensen (relativ teuer in Schweden, Essen ab 58 SEK), Studentenzentrum, Sprachenzentrum, Bibliotheken, Buchhandlungen, Cafés, Fitnesscenter und so gut wie alle Verwaltungsgebäude für studienrelevante Angelegenheiten finden. Auf dem Campus US werden i.d.R. nur Vorlesungen für Medizin und ähnliche Studienrichtungen gehalten. Dieser liegt nahe dem Universitätsklinikum in der Stadt. Zu dem Campus in Norrköping gibt es einen kostenlosen Shuttle (kannst du auch für Ausflüge nutzen).

Allgemeines zum Erasmusstudium

Ich habe im Februar 2008 erfahren, dass ich an der Linköping Universität angenommen wurde. Sobald der Brief von der Linköping Uni kommt, empfiehlt es sich sofort die Unterlagen für die Wohnung und Anmeldung abzuschicken. Gerade die Wohnungssituation war etwas angespannt in den ersten Monaten. Manche Freunde mussten öfter umziehen, da sie die Anmeldung zu spät abgegeben haben und somit keine Wohnung von der Uni vermittelt bekommen haben. Die Uni hat nur ein begrenztes Kontingent.

Wenn du dich über die Uni für eine Wohnung anmeldest, wirst du höchstwahrscheinlich in Ryd wohnen. Das ist ein Stadtteil, in dem hauptsächlich Studenten wohnen. Üblicherweise wohnt man auf einem Korridor mit 7 anderen Studenten und teilt sich die Küche. Wohnraum und das eigene Bad sind ca. 20 qm. Die Miete ist ca. 2670 SEK, was je nach Wechselkurs zwischen 255 und 285€ sein kann. Möchtest du nicht auf einem Korridor wohnen, kannst du dich selbst um ein Appartment (unmöbliert) bei Studentbostader kümmern. Überhaupt ist eine Anmeldung dort zu empfehlen, frühzeitig, damit du bei Wohnungsproblemen schon genug Punkte gesammelt hast. Für jeden Tag den man angemeldet ist, bekommt man einen Queuepunkt. Wer die meisten Punkte hat, hat Vorrecht bei der Wohnung. An sich ist es sehr schön in Ryd zu wohnen. Es ist alles, was ein Studentenherz begehrt, vor Ort vorhanden. Direkt in Ryd Centrum gibt es eine Apotheke, Supermarkt (Hemköp teuer), einen Studentenclub (HG Herrgården) und bis zur Uni sind es 5 min mit dem Rad. Meiner Meinung nach, geht in Linköping nichts ohne Fahrrad. Damit kannst du dann auch nach Tornby fahren, ein riesengroßes Einkaufscentrum mit IKEA, Willys, ICA und vielen anderen Shops und nicht zu vergessen einem Systembolaget. In diesem bekommst du Alkohol der über 3,5 % hat. Es gibt davon nur zwei in LKP. Einem im Zentrum und den anderen in Tornby. Mit dem Fahrrad sind es ca. 20 min, aber es lohnt sich da es dort viel billiger ist.

Wenn möglich solltest du dich schon kurz vor deiner Ankunft in LKP um ein Fahrrad bemühen, da am Anfang des Semesters aufgrund der riesigen Nachfrage Mondpreise verlangt werden. Die Studenten die LKP verlassen sind froh ihr Fahrrad verkaufen zu können, meistens liegen auch zwischen Abfahrt und Ankunft der neuen Studenten Wochen. Mit anderen Worten suchen in z.B. Studivz bei der alten und neuen Gruppe für Linköping oder an dem schwarzen Brett der Uni und schau dir die Angebote an (4-6 Wochen vorher). Meistens haben die Studenten die LKP verlassen die Möglichkeit ihre Schlüssel fürs Fahrrad bei Freunden zu hinterlegen. Die Preise vor Anreise wird ich mit 50€ für ein gutes gebrauchtes Rad einschätzen und wenn du vor Ort zu Semesterbeginn anfängst zu suchen min. 80€. Ganz wichtig immer Dunkelheit mit Vorder- und Rücklicht fahren, da dies von der Polizei kontrolliert und bestraft wird. Außerdem kann ich nur zwei Fahrradschlösser empfehlen, da aufgrund der Preise versucht wird, sich Fahrräder anders zu beschaffen. Viele meiner Freunde wurden die Fahrräder gestohlen. Das kannst du verhindern wenn du dein Fahrrad immer irgendwo an ein Geländer oder ähnliches anschließt. Abgesehen von den Fahrraddelikten habe ich mich in LKP sicher gefühlt.

Insgesamt bin ich mit diversen Reisen und normalen Studentenleben mit 700 bis 800 € im Monat gut über die Runden gekommen. Natürlich hängt es von deinen persönlichen Umständen ab, wie viel Geld du benötigst. Für männliche Studenten möchte ich noch erwähnen, dass die Friseurpreise aufgrund der Gleichstellung zwischen Mann und Frau für Beide dasselbe kosten müssen. Das ist sicherlich in Vergleich mit Berliner Preisen eine Umstellung. Mit 25 bis 30 € pro Haarschnitt solltet ihr in Schweden rechnen. Weiterhin ist es interessant zu wissen, dass in Schweden unser Lochabstand von Blöcken und Ordnern nicht kompatibel ist.

Studium – Kurse

Vor deiner Abreise legst du i.d.R. deine Kurse fest die du belegen möchtest. Mir wurde damals im AAA gesagt, dass sich das sowieso noch ändern wird. Trotzdem wähle deine Kurse sorgfältig aus, denn in meinem Fall gab es so viele Austauschstudenten vor Ort und die besten Kurse waren von Beginn an voll und es gab keine Möglichkeit außer der Warteliste. Ich studiere BWL hier an der TU Berlin (Schwerpunkt Management im Gesundheitswesen) und in Potsdam (Schwerpunkt Personal). Am Anfang war ich verwirrt da irgendwo die Info stand, dass ich aufgrund der Kooperation mit der TU Berlin nur Kurse vom technischen Institut wählen dürfe. Stimmt nicht, Studenten der TU haben auch die Möglichkeit andere Kurse  zu wählen. Ich habe mich für Business Ethics (15), Human Resource Management (7,5) und Health and Social Change (6) sowie Schwedisch Level 1 und 2 (jeweils 7,5) entschieden. Die Kurse sind anders als in Deutschland hintereinander und nicht parallel, d.h. zuerst den einen Kurs und danach erst den anderen. Auch der Stundenplan kann von Woche zu Woche bei demselben Kurs variieren.

 Ich kann euch nur ganz dringend empfehlen den Intensivkurs Schwedisch Level 1 vor Beginn des regulären Semesters zu wählen. Erstens lernst du schon einen Menge Leute kennen und außerdem hast du während des Semesters mehr Zeit zu reisen oder falls du einen Kurs abbrichst hast du einen Puffer aufgrund deiner ECTS Punkte.

Auch mit mittleren Englischkenntnissen kannst du die Kurse besuchen und gut bestehen. Insgesamt wird viel mehr Wert auf Gruppenarbeit und Diskussionen sowie Präsentationen gelegt als in Deutschland. Ich habe bis auf die Schwedischkurse keine Klausuren schreiben müssen. Erkundige dich vorher bei deinem Studienberater über die Anerkennung der Kurse. Da ich mich am Ende meines Hauptstudiums befinde werden mir nur Kurse an der TU angerechnet die entweder Advanced oder Master Level haben.

Der Business Ethic Kurs war gut aber als erster Kurs in LKP viel zu aufwendig und aufgrund des Advanced Levels nicht zu schaffen für mich. Insgesamt musst du für die Kurse sehr viel lesen. Wenn du den Kurs im Basis Level besuchen kannst, empfehle ich ihn, aber im höheren Level nicht.

Health and Social Change ist bei Interesse sehr empfehlenswert. Am Montag gibt es immer eine Vorlesung und bis zur Diskussionsrunde am Freitag muss du drei Artikel lesen und dir eine Frage überlegen die am Freitag diskutiert wird. Am Ende des Kurses schreibst du ein Paper über ein Thema welches du frei wählen kannst.

HRM war der beste Kurs überhaupt. Es gab sehr viel zu tun, aber der Kurs war wirklich super und ich habe trotz meines Schwerpunkts Personal noch viel gelernt, vor allem praktische Dinge, die ich auf jeden Fall später im Berufsleben benötige.

Für die meisten Kurse musst du dir die Bücher kaufen, was ziemlich ins Geld gehen kann.  In Schweden gibt es keine Buchpreisbindung, also ist vergleichen angesagt. Insbesondere an der Uni in den Bücher Shops sind die Bücher teuer.

Studentenleben/ Partyleben

Nun nähern wir uns dem Teil, der sich definitiv von Deutschland unterscheidet: der Studentenkultur. In den ersten zwei Wochen an der Universität war man unentwegt von Heerscharen von Rittern, drachenschwänzigen Seeleuten, Männern in Frauenkleidern und einem schlechten Guardian-Angel-Verschnitt umgeben. Überall, wo man hinging marschierten (und das ist wörtlich gemeint) diese Leute teilweise singend an einem vorbei. Die Lösung des Ganzen steckt im neu beginnenden akademischen Jahr: Die neu ankommenden Studenten und Erasmusstudenten sind per Definition erst einmal "Noller" (Nullen, eben nix!), in den ersten zwei Wochen werden diese dann von den Älteren der entsprechenden Vereinigung oder vom entsprechenden zum "richtigen" Studenten gemacht und begleitet.

Der Kravall ist eine Studentenveranstaltung (ca. 1000 Personen), meist irgendeinem Thema gewidmet, mit Livemusik und allem, was man sonst aus Deutschland auch kennt - mit dem Unterschied, dass alle einen Overall tragen. Dieser kann im Studentenzentrum erworben werden (480 SEK), und macht auf dem Kravall sofort klar, aus welcher Fachrichtung man stammt: Jedes Institut hat eine eigene Overallfarbe verbunden mit bestimmten Applikationen. Der Internationale Student wird dabei mit blau ausgestattet und hat sich an den Seiten einen gelben Streifen anzunähen (für weniger Begeisterte tut es auch Textilkleber). Bei jeder Veranstaltung kannst du einen Patch kaufen und ihn dann an deinen Overall nähen oder kleben.

Kultur/ Benimmregeln

Jeder in Schweden wird von jedem geduzt, auch der Polizist und Professor. Außerdem hat der Schwede eine eigene Anstehkultur entwickelt: egal ob bei den Ämtern, beim Bäcker, bei der Bank, beim Bahnschalter oder bei der Fleischtheke im Supermarkt - es wird überall eine Wartenummer gezogen. Diese Kultur ist fair und man muss eben beim Warten nicht anstehen, man kann sich hinsetzen, ohne dass sich jemand vordrängelt. Sowieso geht alles sehr viel gemächlicher.

Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick in mein Erasmus-Austauschsemester geben konnte, und denke, vielleicht einige für Linköping begeistert zu haben. Ich möchte mich hiermit bei allen bedanken, die diesen Austausch möglich gemacht haben. Na Lust bekommen auf ein Erasmus Studium in Schweden?

Eure Stephanie