Nordeuropa: Für Anleger allemal eine Option

Ein Ruhetag ist Tradern auf der Skandinavischen Halbinsel fremd. Zumindest zeugen die jüngsten Begebenheiten von der Notwendigkeit, unentwegt auf dem Laufenden zu sein, um nicht Schiffbruch zu erleiden. So schwächeln einesteils die nordischen Währungen und wird der CFD-Handel beschränkt, während es andernteils immer mehr Schürfer ins Krypto-Eldorado von Norwegen und Schweden verschlägt und das Land der Elche gar mit einer E-Krone aufhorchen lässt.

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Devisenhandel bei den begüterten Schweden ungemein beliebt

Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Schweden kaum jemand am Hungertuch nagt. In einem der reichsten Länder der Welt überrascht es da auch nicht weiter, dass sich der Devisenhandel bei vielen Leuten großer Beliebtheit erfreut.

Obwohl das Land überzeugtes EU-Mitglied ist, hatte es zu keiner Zeit das brennende Bedürfnis, sich von der eigenen Währung, der Schwedischen Krone, zu trennen und dem Euro das Feld zu überlassen. Aus diesem kühlen Grunde sind rund 2,3 Prozent sämtlicher Devisenmarktaktivitäten auf die ein oder andere Weise mit der Schwedischen Krone verknüpft. Das Gute daran ist, dass es für den Handel der Krone keines schwedischen Brokers bedarf. Vielmehr erlaubt das Land jenen von einer EU-Behörde lizenzierten Devisenmaklern, ihre Produkte ungeniert feilzubieten und dafür nach Kräften die Trommel zu rühren. Umgekehrt steht es jedem von der Financial Supervisory Authority of Sweden (FSA) für tauglich befundenen Finanzdienstleister frei, in den anderen EU-Ländern Geschäfte zu machen. Dass die FSA ihre Aufgabe nicht auf die leichte Schulter nimmt, können jene schwarzen Schafe bezeugen, die ihre Härte zu spüren gekriegt haben. So hat die Aufsichtsbehörde 2014 etwa die Clearskies Group Ltd. aus dem Verkehr gezogen.

Angesichts der schwächelnden nordischen Währungen mutet die hohe Popularität des Devisenhandels seltsam an. Nachdem es der Wirtschaft in Skandinavien prächtig geht, sehen viele Finanzexperten im dröhenden Crash des Immobilienmarktes die Ursache der Währungsschwäche. Während die stark steigenden Immobilienpreise in Schweden und Norwegen schwer abzustreiten sind, warnt Stefan Ingves, der Gouverneur der Schwedischen Reichsbank, entschieden vor übertriebener Panikmache. Gleichzeitig gibt er aber unumwunden zu, dass sich das Land in der Vergangenheit nicht immer um die wirksame Bekämpfung von Spekulationsblasen auf dem Immobilienmarkt verdient gemacht hat. Schenkt man einer Studie der Großbank Danske jedenfalls Glauben, geht der allfällige Sturz der schwedischen Immobilienpreise um 15 bis 20 Prozent lediglich mit einem unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum einher. Dramatischer ist von daher die Tatsache, dass sich zur Stunde in 260.000 Privathaushalten die Verschuldung auf mehr als 600 Prozent des Jahreseinkommens beläuft.

ECN-Broker und Norwegens liberale Einstellung ein gutes Gespann

Es hat ganz den Anschein, als würden Devisenhändler in Norwegen völlige Narrenfreiheit haben, seit die Regierung mit den Devisenbestimmungen 1990 faktisch aufgeräumt hat. Für Ausländer hat nicht einmal die Auflage Gültigkeit, allfällige Fremdwährungen innerhalb von 30 Tagen in die Landeswährung umtauschen zu müssen. Vielmehr haben sie das Privileg einer Schonfrist von einem Jahr. Auch verpflichtet eine Anordnung der norwegischen Zentralbank Geschäftsbanken dazu, die Kunden verstärkt über den Devisenhandel aufzuklären. Dieses Eldorado darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein geeigneter Broker unerlässlich ist. Eine gute Wahl sind ECN-Broker. Der Name ist Programm. So nutzen ECN-Broker ein elektronisches Kommunikationsnetzwerk (Electronic Communications Network), um sich mit den Forex-Tradern direkt ins Benehmen setzen zu können. Für gewöhnlich warten ECN-Broker mit niedrigen Spreads auf, zumal sich der Informationsaustausch mit anderen Brokern in der Kursfestsetzung bezahlt macht. In anderen Worten operieren ECN-Broker nie zum Nachteil der Kunden, sondern zeichnen lediglich für die Zuteilung der Orders sämtlicher Marktteilnehmer verantwortlich. Aufgrund der geringen Spreads arbeiten ECN-Broker selten auf Kommissionsbasis, sondern stellen eine feste Gebühr in Rechnung.

Nordische Staaten gefragte Anlaufstellen für Miner

Seit 30. Mai 2017 gibt es in Norwegen neue 100- und 200-Kronen-Scheine, ob sie die Leute allerdings mittlerweile zu Gesicht bekommen haben, ist fraglich. Schließlich sind die Norweger für ihre bargeldlose Bezahlung hinlänglich bekannt, nicht anders als die Schweden. Überhaupt steht die Digitalisierung in Skandinavien hoch im Kurs, haben die nordischen Länder doch weit mehr als nur Holzhäuser, Küsten und Seen zu bieten.

In Anbetracht der zunehmenden Regulierung der Kryptowährungen würde es wenig überraschen, wenn Norwegen und Schweden nächstens China den Rang ablaufen würden und sich vor Schürfern von Bitcoin & Co nicht mehr retten könnten. Einesteils locken steuerliche Anreize, andernteils wirken der günstige grüne Strom, die niedrigen Temperaturen und die exzellente Infrastruktur ungemein verführerisch. Die nordischen Staaten haben alles, was es braucht, um das Interesse der Miner zu wecken. Der gewaltige Hardwareaufmarsch verschlingt schließlich Unmengen an Energie, weshalb die einschlägigen Miner nicht von ungefähr im Ruf stehen, unausgesetzt auf Jagd nach Strom zu sein.

Das kanadische Mining-Unternehmen HIVE hat seine Zelte in Schweden aufgeschlagen und schürft seit Anfang des Jahres Ethereum. Geplant ist der Ausbau der Energiekapazität auf 17,4 Megawatt. Reuters zufolge sollen es im September bereits 26,8 MW sein. Den US-Miner Bitfury hat es hingegen nach Norwegen verschlagen. Mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen US-Dollar ging das Unternehmen im März dieses Jahres an den Start. Berichten zufolge stehen im Rechenzentrum in Mo i Rana 30 Mitarbeiter in Lohn und Brot und liefert Helgeland Kraft, der norwegische Produzent erneuerbarer Energien, 350 GWh grünen Strom. Das ist wahrlich kein Klacks, bedenkt man, dass die gesamte Straßenbeleuchtung Hamburgs im Jahr nicht mehr als 40 GWh verschlingt. Nachdem sich zur Stunde die Stromkosten für einen einzigen Bitcoin auf 1400 bis 1800 US-Dollar belaufen, ist es nur logisch, sich als Miner um den günstigsten Stromlieferanten umzutun. Während Europa im Schnitt 11 Cent für die Kilowattstunde in Rechnung stellt, sind es in Schweden lediglich 6,5 Cent und in Norwegen 7,1 Cent. An der Tatsache der Umweltsünde wird dieser erfreuliche Umstand freilich nichts ändern können.

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Blockchain-Technologie ja, Handel mit Bitcoin nein

Einen Grund zur Klage haben die Schweden an sich nicht, wenn ihr Pro-Kopf-Einkommen höher ist als das in Deutschland und namentlich in Stockholm die höchsten Löhne und Gehälter bezahlt werden. Nichtsdestotrotz wird Kritik laut, wenn die Großbank Nordea den rund 30.000 Mitarbeitern verbietet, mit Bitcoin zu handeln.

Bereits im Dezember des Vorjahres hat Nordea-Manager Casper von Koskull den Bitcoin als „absurde Konstruktion“, ja als „Witz“ bezeichnet. Anders ausgedrückt ist die Bank für Spekulationen solcher Art nicht zu haben. Solange es um den Ruf der Kryptowährung nicht besser bestellt ist, frommt es nichts, die Massen dafür zu begeistern. Überhaupt stellt sich für Casper von Koskull die Frage, wie sich eine Währung am Markt behaupten kann, die sich der Kontrolle der Finanzbehörden entzieht. Dafür stehen die Vorzüge der Blockchain-Technologie scheint’s außer Frage, widrigenfalls sich die Bank wohl schwerlich an der Gründung eines Handelskonsortiums auf Blockchain-Basis beteiligt hätte, das unter anderem auch die Deutsche Bank und die UniCredit an Bord hat.

Schweden als Pionier der staatlichen Kryptowährung

Nicht erst seit gestern erwägt die schwedische Zentralbank die Einführung einer Kryptowährung, vielmehr geistert der Gedanke schon mehr als ein Jahr in den Köpfen der federführenden Bediensteten herum. Alles deutet nun darauf hin, dass schon 2019 die E-Krone in einem Pilotprojekt getestet wird.

Die technischen Parallelen zum Bitcoin sind nicht von der Hand zu weisen. Immerhin garantiert die Blockchain die Fälschungssicherheit der E-Krone. Fakt ist damit freilich auch, dass jeder Eigentümer eine persönliche Signatur hinterlässt. Anders als der Bitcoin hat die E-Krone als Zahlungsmittel allerdings ausschließlich in Schweden Gültigkeit. Dafür darf von daher mit der Stabilität der E-Krone gerechnet werden. Dass sie überhaupt je als Ersatz für das Bargeld in Erwägung gezogen wurde, erklärt sich schlicht aus der Tatsache des weitgehend bargeldlosen Zahlungsverkehrs im Land. Was ohnehin schon Usus ist, wird mit der E-Krone demnach nur um ein Bedeutendes sicherer.

Verfasst am 29. Mai 2018
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