Campus der Technischen Universität Luleå
Campus der Technischen Universität Luleå

Wintersemester 2007 an der Technischen Universität Luleå

Luleå ist die Haupstadt Norbottons und ungefähr 2 Autostunden vom Polarkreis entfernt. Typisch für den nördlichen Teil Schwedens ist die dünne Besiedlung. Im Durchschnitt betrachtet, leben hier nur 2 Menschen pro km².

Mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 1,3° C ist es im Winter in dieser 70.000-Einwohner-Stadt durchaus etwas frischer als in Deutschland. Im August hatten wir noch Tage mit annähernd 25°C. Im Januar können allerdings auch Temperaturen von -30° C erreicht werden. Ende November hatten wir einmal -17° C. Warme Kleidung ist daher unabdingbar. Die trockene Kälte ist aber auszuhalten. Zudem reichlich Schnee und Nordlichter in der Nacht eine gute Entschädigung dafür sind. Dank der übermäßigen Kälte im Winter, ist der Bottnische Meerbusen hier oben zugefroren. Dadurch soll es im Winter sogar möglich sein die zahlreichen kleinen Inseln vor Luleå mit dem Auto zu erreichen.

Die Luleå Tekniska Universitet (LTU) ist die nördlichste technische Universität Schwedens. Hier leben und studieren ca. 12.000 Studenten. Im Wintersemester 2007/2008 waren wir ca. 190 Austauschstudenten an der LTU. Davon sind die meisten nur für ein Semester geblieben und bereits vor Weihnachten abgereist. Zum Sommersemester 2008 kommen 110 neue Studenten. Das ist ein neuer Winterrekord. Normalerweise sind es eher 60-80.

Ankunft

Luleå verfügt über einen eigenen Flugplatz. Daher empfiehlt sich die Anreise mit dem Flugzeug. Mit Air Berlin und Germanwings gelangt man von Berlin nach Stockholm Arlanda. Von dort aus geht es dann weiter mit SAS (www.flysas.com) oder, der für gewöhnlich günstigeren Gesellschaft, Flynordic (www.flynordic.com) direkt nach Luleå.

Wie auch bei anderen Fluggesellschaften üblich sollte frühzeitig gebucht werden, um günstige Preise zu bekommen. Beide Tickets zusammen sind bei nicht allzu später Buchung für ca. 80 - 110 Euro zu haben. Die Flugzeit beträgt jeweils ca. 80 min. Allerdings besteht i.d.R. ein Aufenthalt in Stockholm von ca. 2-3 Stunden.

Alternativ kann die Anreise von Stockholm nach Luleå auch mit dem Zug erfolgen. Dadurch lässt sich manchmal etwas Geld sparen. Allerdings dauert die Reise ca. 15 Stunden.

Unterbringung

In diesem Semester waren die Austauschstudenten auf drei Wohngebiete verteilt. Der Großteil der Studenten war wieder in Björkskatan (Väderleden) untergebracht. In diesen Mehrstöckigen Häusern lebt man je nach Gebäude mit 5 oder 12 anderen Studenten auf einem Korridor und teilt sich eine große Küche. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad mit Dusche. In den obersten Etagen ist i.d.R. eine kostenlose Sauna zu finden. Diese Räumlichkeiten werden auch gern für Partys genutzt. Mit dem Fahrrad benötigt man ca. 10-15 min zur Universität.

Die anderen beiden Wohngebiete befinden sich in Porsön. Ich selbst habe in Porsögården gewohnt. In diesen Flachbauten leben vorrangig schwedische Studenten. In einem Haus leben 20 Studenten. Jeweils 10 Studenten teilen sich eine Küche mit Wohnzimmer. Allerdings sind die Zimmer mit einem Kühlschrank und zwei Herdplatten ausgestattet. Das klingt sehr komfortabel, hat allerdings zur Folge, dass kaum jemand die gemeinsamen Küche benutzt. Ein echtes Zusammenleben wie in Björkskatan kommt hier nicht zustande. Die Uni ist allerdings in weniger als 5 min. mit dem Fahrrad zu erreichen. Wie die meisten anderen verbliebenen Austauschstudenten auch, habe ich mich dann dazu entschieden im Januar nach Björkskatan zu ziehen.

In Vänortsvägen (ebenfalls Porsön) lebt man mit drei anderen Studenten in einer Art Wohngemeinschaft. Jede Wohnung hat 4 Schlafzimmer, 2 Bäder und eine Küche mit Wohnzimmer. Die Uni ist in 5 min erreichbar. Alle Unterkünfte sind mit kostenlosen Internetzugängen ausgestattet. Die Miete beträgt, je nach Unterbringung, zwischen 2140 und ca. 2700 kr.

Betreuung vor Ort

Die Studenten vom Luleå University Reception Committee (LURC) kümmern sich um die Austauschstudenten an der LTU. Die erste großartige Tat ist, dass sie einen kostenlosen Abholservice vom Flughafen anbieten. Weiterhin organisieren sie die Unterbringung der Studenten. Am Tag der Ankunft erhält jeder Student erste Informationen über Uni und Stadt. Wohin man zu gehen hat, welche Gebühren wo zu entrichten sind und natürlich seinen Mietvertrag und Zimmerschlüssel.

Gerade in den ersten Wochen werden vom LURC-Team viele Events organisiert, damit sich die Austauschstudenten schnell untereinander kennen lernen. Aber auch nach der partyintensiven Anfangszeit werden während des gesamten Semesters immer wieder Möglichkeiten geboten, um mit den anderen Studenten zusammenzukommen. Neben einem Welcome und Farewell Dinner steht im Dezember auch ein Trip zum Weihnachtsmann nach Rovaniemi auf dem Plan.

Die beiden Damen vom International Office (IO) sind ebenfalls äußerst freundlich und hilfsbereit. Neben dem academic advisor sind auch sie Ansprechpartner in organisatorischen Dingen, die das Studium betreffen. Im September wird vom ihnen immer ein Ausflug zu der großen Stromschnelle Storforsen organisiert.

Studium

In Schweden ist das Semester in zwei Quartale aufgeteilt. Zu Beginn jedes Quartals legt man fest, welche Kurse besucht werden sollen. Dies soll bzw. muss in Abstimmung mit dem jeweiligen academic advisor erfolgen. Schließlich muss dieser die Änderungen des Learning Agreement absegnen. Das Wintersemester beginnt am 01. September. Der erste Prüfungszeitraum beginnt dann Ende Oktober. Der zweite Prüfungszeitraum beginnt in der zweiten Januarwoche. Für Austauschstudenten, die nur für ein Semester bleiben und demnach nach Weihnachten nur ungern zurückkommen, bietet die Universität die Möglichkeit alle Prüfungen bereits in der Woche vor Weihnachten zu schreiben.

Das Austauschprogramm mit der LTU wird von Prof. Trommsdorff betreut. Demnach richtet sich dieses Angebot vorrangig an Studenten der Fakultät VII. Obwohl die LTU eine technische Universität ist, werden insbesondere im Bereich Marketing zahlreiche englischsprachige Veranstaltungen angeboten. Das Angebot an englischsprachigen volkswirtschaftlichen Kursen ist nicht so umfangreich. Allerdings ist es ausreichend um 30 ECTS pro Semester zu erlangen. Durch Belegung von Sprachkursen können ebenfalls ECTS erlangt werden.

Wer bereits mit der schwedischen Sprache vertraut ist, kann natürlich auch Kurse belegen, die in schwedischer Sprache gehalten werden.

Eine neue Erfahrung war es, dass einige Dozenten während der Vorlesung nach ca. 45 min eine kurze Kaffeepause einlegen. (Das kann an manchen Tagen sehr angenehm sein.) In Schweden wird viel Wert auf Gruppenarbeiten gelegt. In vielen Kursen müssen mal kleinere und mal größere Projektarbeiten abgeliefert werden, die i.d.R. von 4-6 Studenten bearbeitet werden. Nicht unüblich ist das Einreichen von wöchentlichen Hausaufgaben, die manchmal allein oder ebenfalls in Gruppen bearbeitet werden müssen. Am Ende des Quaters erfolgt i.d.R. eine schriftliche Prüfung.

Das studentische Leben außerhalb der Uni

Als Student der LTU verbringt man gewöhnlich viel Zeit auf dem Campus auch wenn man gerade nicht studieren muss. Das Stil Sportcenter (www.stilsportcenter.se) bietet fast jede erdenkliche Art von Sport. Das im September neu eröffnete Fitnesscenter bietet verschiedene Möglichkeiten für den täglichen workout.

Sonntag ist Kinotag. Zu Beginn jedes Quartals werden die Tickets für alle gezeigten Filme verkauft. Dabei handelt es sich i.d.R. um englischsprachige Filme mit schwedischen Untertiteln. Ganz wichtig ist natürlich der Studentenklub STUK. Tagsüber als Mensa, an den Wochenenden als Club zum Feiern besteht hier die Möglichkeit relativ günstig zu essen und zu trinken. Mittwochs herrscht nur Barbetrieb und um 1 Uhr (morgens) müssen alle Gäste gehen. Freitags und samstags ist bis 3 Uhr (morgens) geöffnet.

Als Austauschstudent geht man freitags ins Cleo. Bis 24.00 Uhr haben Studenten freien Eintritt und es kann ein günstiges Bier für 25 kr erworben werden. Ansonsten müssen dafür eher 50-60 kr aufgewendet werden. Samstags geht es dann ins STUK auf dem Campus. Zum Vergleich: hier kostet das günstigste Bier nur 20 kr. Zwischendurch gibt es natürlich immer wieder kleinere Partys oder man trifft sich mit einigen Studenten zum gemeinsamen Dinner für den interkulturellen Austausch.

Was es sonst noch sagen gibt

Generell ist das Leben in Schweden teurer als in Deutschland. Für Lebensmittel muss daher mehr Geld eingeplant werden als zu Hause. Zum Einkaufen wird i.d.R. der etwas günstigere Supermarkt Willy’s empfohlen. Ich selbst fahre dort eher selten hin. Um in die Stadt zu gelangen, muss entweder das Fahrrad genutzt werden (ca. 20 min) oder der Bus (20 kr pro Fahrt) genutzt werden. Einfacher ist es daher entweder zum ICA direkt neben der Uni zu gehen. Wer in Björkskatan wohnt, wird den Coop Konsum bevorzugen. Dieser ist in ca. 1 min zu erreichen.

Braucht man Schwedisch in Schweden? Na ja, es kommt darauf an. Bevor ich im August nach Schweden geflogen bin, stand für mich fest, dass ich die Sprache lernen möchte. Immerhin bleibe ich für ein Jahr. Allerdings spricht in Schweden fasst jeder Englisch. Als Austauschstudent verbringt man seine Zeit i.d.R. seine Zeit mit anderen Austauschstudenten. Dann wird vorrangig englisch gesprochen. Zu schwedischen Studenten haben wir kaum Kontakt. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir die Sprache nicht sprechen. Auch wenn die Schweden ein besseres Englisch sprechen als wir, bevorzugen sie es natürlich sich in Schwedisch zu unterhalten.

Ich selbst besuche nur englischsprachige Vorlesungen. All die Dinge, die sonst noch in der Uni geklärt werden müssen, lassen sich unproblematisch in Englisch bewältigen. Aufgrund der hohen Zahl an spanisch-und französischsprachigen Studenten besteht hier eine sehr gute Möglichkeit, bereits vorhandene Kenntnisse dieser Sprachen auszubauen und zu vertiefen.

Insgesamt kann ich die LTU als Studienort sehr empfehlen. Die Betreuung ist sehr gut. Das Leben insgesamt ist ganz anders als Berlin. Allein das Klima und die Lichtverhältnisse sind eine besondere Herausforderung. Um 15.00 Uhr ist es tiefe Nacht. Dafür wird es in den Sommermonaten kaum dunkel.

Bildquelle: flickr.com/hildgrim
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