Schaurig-schöne Geheimtipps in Skandinavien

Halloween ist zwar schon wieder vorbei. Norwegen, Schweden und Finnland haben aber ganzjährig mysteriöse Orte zu bieten, die mutigen Touristen einen wohligen Schauer über den Rücken jagen – und das nicht nur im verschneiten Winter!

Die ausgedehnte, ursprüngliche Landschaft und die umfangreiche Mythologie der skandinavischen Länder vermochte es schon immer, Künstler zu inspirieren. Dabei kommen ab und an auch melancholische und sogar düstere Seiten zum Vorschein. Seit dem 19. Oktober lehrt uns zum Beispiel der Regisseur Tomas Alfredson mit seinem Kriminalthriller „Schneemann“ das Fürchten: Michael Fassbender fahndet als Detektiv Harry Hole in Oslo nach einem wahnsinnigen Killer. Der Film zeigt einmal mehr, wie schaurig-schön Norwegen sein kann. Der folgende Artikel stellt drei gruselige Orte als spannende Alternative zum üblichen Winterurlaub vor – samt der dafür notwendigen Geisterjäger-Ausrüstung.

Norwegen alte HütteBild: Flickr lives in cabins geir tønnessen CC BY 2.0

Norwegen: Blick in eine düstere Vergangenheit

In Norwegen sind zahlreiche leere Häuser und eine verwahrloste Infrastruktur das Resultat einer intensiven Landflucht. Den verlassenen ländlichen Regionen und Küstenforts mit alten Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg haftet aber eine gewisse Schönheit an, vor allem wenn sie im Sommer grün überwuchert oder im Winter mit weißem Schnee bedeckt sind. Kaum bekannt, weil sehr abgeschieden gelegen, ist ein waschechtes Zeugnis aus der düsteren Epoche des 19. Jahrhunderts. Nach der Überquerung einer Hängebrücke folgt man einem schmalen Weg, bis man schließlich vor dem Fundament eines alten Wehrmacht-Lazaretts steht. Zu sehen ist bröckelnder Beton und verrostetes Metall, selbst ein abgewrackter Tieflader steht dort. Wetterfest anziehen sollte man sich für diese Rundwanderung auf jeden Fall, ein winddichter Parka oder Mantel ist Pflicht. In einem dieser Modelle bleibt man bestimmt warm und trocken und macht optisch sogar Michael Fassbender alias Detektiv Harry Hole Konkurrenz.

Schweden WaldBild: Flickr 2016 Trip to Sweden - Trollskog Mrs. Gemstone CC BY-SA 2.0

Schweden: Ein nasses Grab

Geister gibt es in Schweden beinahe überall: im Pfarrhaus des 50-Seelen-Dorfes Borgvattnet ebenso wie im Spukschloss Svaneholm Castle. Und dann existiert da noch ein waschechter Schiffsfriedhof! Auf der so treffend „Geisterinsel“ genannten Inselgruppe Norrbyskär in Nordschweden ist es geradezu gespenstisch still. Doch die wenigen Einwohner sind keinesfalls abweisend. In den hübschen, bunten Ferienwohnungen und in der Gaststätte Wärdshus übernachten deshalb gerne Familien und Künstler. Wer aber das Ungewöhnliche sucht, sollte sich direkt ans Meer begeben: Dort zeugen die Skelette von bis zu 20 Meter langen Holztransportschiffen von einer Epoche, in der die Arbeiter des örtlichen Sägewerks auf der Inselgruppe wohnten. Wer ein Foto von der Szenerie machen will, sollte angesichts der aktuellen Witterung und der Nähe zum Wasser auf seine Kamera achtgeben. Spiegelreflexkameras halten die dort herrschenden Temperaturen zwar aus, man sollte aber trotzdem zusätzliche Akkus mitnehmen, da sich diese bei Kälte schneller als sonst entladen.

Finnland ZombiesBild: Flickr Hiljainen kansa – The Silent People /kallu CC BY-SA 2.0

Finnland: Die Zombie-Armee, die keine ist

Die finnische Folklore ist noch immer quicklebendig. Entnervte Eltern erschrecken ihren aufmüpfigen Nachwuchs etwa mit der Wasserhexe Näkki, die Kinder ins Meer zieht. Unvorsichtige Touristen sollten sich wiederum dafür fürchten, in die Höhle des trollartigen Wesens Hiisi verschleppt zu werden. Zombies gibt es in Finnland jedoch nicht, auch wenn man das im ersten Moment denken mag, während man durch die Region Suomussalmi im Nordosten reist. Die 1.000 Gestalten, die dort geradezu bedrohlich in Reihen stehen und dem Wald zugewandt auf irgendetwas zu warten scheinen, entpuppen sich beim näheren Hinsehen nämlich als einfache Vogelscheuchen. „The Silent People“ heißt die völlig unkommentierte Installation des ortsansässigen Künstlers Reijo Kela. Einige Betrachter glauben, dass die Armee aus Holz, Stroh und Stoff die Menschen repräsentieren soll, die im Krieg gegen Sowjetrussland 1939/40 ihr Leben ließen. Die Adresse Viitostie 547, 89600 Suossalmi ist nicht ganz einfach zu finden. Google Maps, wo die angebliche „Untoten“-Parade entdeckt wurde, kann bei der Suche helfen.

Verfasst am 09. November 2017
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